Was liest denn zur Zeit – Weihbischof Johannes Bündgens?

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Weihbischof Johannes Bündgens liest:

Römisches Aachen. Archäologisch-historische Aspekte zu Aachen und der Euregio von Raban von Haehling

Was ich am liebsten lese? Geschichtliches! Auf meinem Nachttisch liegt in diesem Frühjahr 2013 das neue Buch: Römisches Aachen, herausgegeben von Raban von Haehling und Andreas Schaub, der eine Professor für Geschichte, der andere Archäologe der Stadt Aachen. Viele andere Fachleute sind mit Abhandlungen vertreten.

Aachen ist nicht meine Heimatstadt; seit 7 Jahren versuche ich, hier heimisch zu werden, auch durch Vertiefung der historischen Hintergründe. Faszinierend ist dieses Buch, weil es über den Raum Aachen vor Karl dem Großen so gut wie keine Quellen gibt. Kein Wunder, dass die Darstellung oft kompliziert klingt und nur mit vorsichtigen, aber gut begründeten Hypothesen vorgetragen wird.

Früher kannte man nur einige geringe Reste und sprach höchstens von der einen oder anderen römischen Villa, die hier bei den heißen Quellen vielleicht von Veteranen des römischen Heers gebaut und zeitweise bewohnt worden war. Aber die akribische Kleinarbeit der Archäologen und Historiker hat unseren Horizont immens erweitert: Es gab im heutigen Aachen eine permanente römische Siedlung, mit Wasserleitungen und Thermenanlagen (da wo heute der Dom, das Parkhaus Büchel und der Elisengarten ist). Wir wissen zwar nicht einmal den Namen dieser kleinen Stadt; aber ihre Existenz ist heute nicht mehr ernsthaft zu bestreiten. Für mich als Christen ist eine Erkenntnis interessant: Der Raum Aachen war eine kleine romanische Sprachinsel. Ähnlich wie in den Städten an Rhein und Mosel, wie in Köln, Mainz, Koblenz und Trier hat man hier im ganzen 1. Jahrtausend noch eine Form des Lateinischen gesprochen, während auf dem Land sonst keltische und germanische Sprachen vorherrschten, Vorformen des Französischen und des Deutschen.

Diese „Romanen“ waren auch im Raum Aachen schon lange vor Bonifatius und Karl dem Großen Christen; sie hatten aller Wahrscheinlichkeit nach eine Kirche an der Stelle des heutigen Doms und wohl auch einen Bischof. Die Geschichte Aachens als Bischofsstadt wäre also älter als Napoleon und Preußenzeit. Man muss nicht das ganze Buch bis in den letzten Fachartikel hinein studieren, aber es hat mir für die Vorgeschichte meiner neuen Heimatstadt neue Dimensionen erschlossen, nicht zuletzt auch durch die vorzüglichen Bilder und Graphiken.

Viele Geheimnisse Aachens bleiben noch zu entdecken. Vielleicht findet sich ja doch mal eine Quelle, die uns den antiken Namen verrät.

Römisches Aachen. Archäologisch-historische Aspekte zu Aachen und der Euregio von Raban von Haehling, Schnell & Steiner, 2012.

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