Grenzen

cub1Wir Menschen im Dreiländereck leben zwischen und mit den Grenzen zu unseren beiden Nachbarländern Belgien und den Niederlanden ohne große Probleme. Seit vielen Jahren sind die Schlagbäume abgeschafft und manchmal muss man erst einmal kurz innehalten um zu merken, dass man schon in Belgien oder den Niederlanden ist. Auch genießen wir die unterschiedlichen Vorteile, Angebote, Landschaften und Städte und die daraus resultierende Vielfalt z.B. der Freizeitgestaltung und des Einkaufens.

cub2Die „fehlenden“ Grenzen sind also ganz klar ein Vorteil.

Manchmal haben Grenzen aber auch durchaus ihren Sinn. Sie geben und erleichtern die Orientierung. Wie zum Beispiel bei vielen Ballspielen. Beim Fußball wüsste ohne die Begrenzungen keiner, ob sich der Ball im „Aus“ oder im „Feld“ befindet. Auch in der Erziehung ist es wichtig den Kindern Grenzen zu zeigen, an denen sie sich orientieren können und so das Zusammenleben mit anderen lernen können. 

cub3Schwierig und gefährlich werden Grenzen,  wenn  sie in Gesellschaften und in einer globalisierten  Welt gezogen werden. Plötzlich befinden sich unglaublich viele Menschen draußen, im Abseits oder noch schlimmer in einem gefährlichen Niemandsland. Solche Grenzen entstehen zurzeit in einem inflationären Tempo. Mauern, Zäune, die die Reichen beschützen vor den Armen, die Menschen zu bestimmten Gebieten den Zutritt verwehren und sie jeglicher Existenzmöglichkeit berauben wie z.B. in Palästina. Auch die unsichtbaren Grenzen, die heute auf dem Mittelmeer zwischen Afrika und Europa verlaufen sind für die, die versuchen sie zu überschreiten lebensgefährlich und für viele endet dieser Versuch mit dem Tod. Millionen Menschen befinden sich im „Aus“, für mich, ich kenne die Zahlen der Statistiken nicht genau, fühlt es sich so an, dass mehr Menschen im Aus stehen als im „Feld“ mitspielen. Sie haben die falsche Nationalität, das falsche Geschlecht, die falsche Gesinnung, kommen aus der falschen Schicht … kurz und gut: sie dürfen nicht mitspielen weil sie arm, schwarz, alt, krank oder sonst wie “anders“ sind. Und wenn wir ehrlich sind, haben auch wir solche Grenzen im Kopf, gehören andere nicht hierin, möchten wir keinen Kontakt zu ihnen, schließen wir sie direkt oder indirekt aus unsren Gemeinschaften aus. Obwohl jede/r von uns sicher selber um solche Momente im Leben weiß, in denen wir nicht mitspielen durften, dass wir nicht gefragt waren, aussortiert wurden und wissen wie sich das anfühlt, sind wir im Angesicht der vielen humanitären Katastrophen nicht mehr fähig Mitleid zu empfinden uns zu kümmern und schieben es auf „die Verantwortung der Politiker oder imaginäre Verantwortlichkeiten in weiter Ferne ab. Das ist verständlich, da es so viel ist und wir auch nur begrenzte Kräfte und Ressourcen haben. Und trotzdem wäre es gut sich als Christ die Fragen zu stellen, welche Grenzen es im eigenen Umfeld gibt und was ich tun kann diese abzubauen, welche Grenzen befinden sich in meinem eignen Kopf, wie und wo entscheide ich wer drinnen oder draußen ist, wer mitspielen darf oder nicht. Je nachdem welche Antworten ich für mich finde kann ich ganz eigene, kreative Wege des Grenzabbaus finden und beschreiten. Ein Leben zu führen, in dem möglichst viele mitspielen dürfen und anderen durch mein Dazutun das Mitspielen ermöglicht wird, kommt einem Leben, wie Jesus es uns vorgelebt hat schon sehr nahe. Er hat immer wieder versucht den Menschen die Grenzen in ihren Köpfen bewusst zu machen (wer ist dein Nächster, warum gehören Zöllner nicht dazu, was ist mit den Feinden, den Verbrechern, Ehebrechern, den Sabbatgesetzen …) und durch sein Verhalten mehr als deutlich gemacht, dass es für ihn und vor Gott solche Grenzen nicht gibt.

Also in diesem Sinne viel Mut und vielleicht auch Freude beim Niederreißen der Schlagbäume und bei der Grenzsabbotage.

Ihre Monika Mann-Kirwan

 

Fotos: Eigene Fotos von der Rückseite der Eastsidegalerie in Berlin 
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