Geistreich im November

Meine Novembergedanken

Die Zeit, die jetzt ansteht, ist für viele Menschen nicht leicht auszuhalten.
Dazu gehöre auch ich.
Die Tage werden kürzer, das Licht nimmt ab, es wird kalt und die ersten Frostnächte schicken Raureif übers Feld und die Gärten.
Blätter fallen, lassen sich am Baum nicht mehr halten, können nicht wieder zum Leben erweckt werden, sind abgestorben.
Das Jahr geht zu Ende mit Buß- und Bettag, Volkstrauertag, Totensonntag, die Gräber werden zum Totengedenken an Allerseelen noch einmal geschmückt und auf den Winter vorbereitet.

Von vielem muss ich mich verabschieden, dem Sommer, der Wärme, den langen hellen Tagen und ich mache mir darüber Gedanken, was in meinem Leben nicht mehr lebendig ist. Wie steht es um meine Beziehungen zu meiner Familie, Freunden/innen, Nachbarschaft, Arbeitskollegen/innen, wo ist Beziehung noch lebendig, wo hake ich nur noch ab, ist kein Leben mehr enthalten?
Was macht meine Tage so voll, das ich keine Freude mehr dabei habe, nur noch renne, hetze von einem Termin zum nächsten, und ich auf der Strecke liegen bleibe?
Der November kann ein Monat der Entscheidungen werden: Was muss ich brach liegen lassen, um Platz für Neues in meinem Leben zu schaffen? Von was sollte ich mich verabschieden, damit ich offen bin, wenn der Frühling kommt, offen für Neues, das in mein Leben kommen will und Raum braucht?

Mir hilft dabei mein Vertrauen in Gott, all das in seine Hände zu legen, was mich belastet, was mich erfreut, wofür ich dankbar bin und auch mich selbst.
Ich kann mich und alles in seine Hände fallen lassen, was ich ihm anvertrauen möchte.

Es gibt ein wunderbares Gedicht von Rainer Maria Rilke, das mich immer wieder berührt und mit dem ich meine Novembergedanken abschließen möchte:

„Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Lydia Freudl

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