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16. Dezember: Morgen beginnen die O-Antiphonen

Noch gut eine Woche bis zum Heiligen Abend. Geschenke alle beisammen? Tannenbaum ausgesucht? Essenspläne erstellt? Weihnachten 2013 – wie soll es werden? Überlegungen, die die Menschen in Anspruch nehmen.

Die Liturgie der Kirche möchte den hektischen Tagen vor Weihnachten einen Kontrapunkt entgegensetzen. Ein paar Minuten des Anhaltens, des Innewerdens, des Nachdenkens, des Gebetes bietet sie an. In dieser Form seit dem 8. Jahrhundert übrigens. Sie singt dazu Lieder der Naherwartung. Als Antiphon werden sie zum Hochgebet der Maria, dem Magnifikat in der abendlichen Vesper gesungen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die gregorianische Verfassung oft bearbeitet. Von Charpentier, über Brahms bis Arvo Pärt. Als Gemeindelied sind die Antiphonen im Gotteslob unter der Nr. 112 / 829 abgedruckt.

Die Kehrverse beginnen jeweils mit dem Erstaunenslaut „O“. Ein emphatischer Ausdruck, ein Tieflaut. „Er sieht und hört sich an wie ein offener Mund, der noch nicht weiß, ob er klagen, staunen oder lachen soll.“ (Schnitzler, Theo: Was das Stundengebet bedeutet. Freiburg 1980, Seite 195) Der Angerufene ist Jesus, das Alpha und Omega, das A und O der Zeiten (vgl. Offenbarung 22,13).

Der „O“-Ton findet sich in vielen adventlichen und weihnachtlichen Liedern.“ O Heiland, reiss die Himmel auf“. „O komm, o komm, Emmanuel.“  „O du Fröhliche“ bis hin zum säkularen „O Tannenbaum“ beginnen die Lieder mit dem Empfindungston „O“, bringen flehentliche Sehnsucht, Hoffnung und Verlangen ins Wort.

Neben dem Ruf „O“ findet sich in jeder Antiphon der Ruf „Veni“ – „Komm“. Komm doch, eine aktive Bitte an den erwarteten Herrn, der immer wieder neu zu seiner Gemeinde kommen soll. Komm Herr, befreie, lehre, öffne. Aus dem Dunkel der Zeit führe uns zu Deinem Licht.

Den Ruf „Veni“ stimmt die Kirche auch in der Woche vor Pfingsten an. Dort ist es der Ruf um den Geist Gottes. „Veni sancte Spiritus“ – „Komm Heiliger Geist“. Erfülle die Schöpfung, erfülle die Herzen mit Deinem Leben. Es ist der Geist, der Maria überschattete und der bei seiner Gemeinde bleibt und in ihr betet (vgl. Römer 8,15-27)

Vom 17. – 23. Dezember begleiten uns folgende O-Antiphonen

  • 17. Dezember             O Sapientia – O Weisheit
  • 18. Dezember             O Adonai – O Herr
  • 19. Dezember             O Radix Jesse – O Wurzel Jesse
  • 20. Dezember             O Clavis David – O Schlssels Davids
  • 21. Dezember             O Oriens – O Aufgang
  • 22. Dezember             O Rex – O König
  • 23. Dezember             O Emmanuel – O Immanuel

Liest man die ersten Buchstaben der lateinischen Worte in umgekehrter Reihenfolge (E, R, O, C, R, A, S) finden wir in den flehenden Rufen die Botschaft der sich schon erfüllenden Zusage: „Ero cras“ – „Ich werde morgen (da sein)“. Der Ersehnte kommt. Er kommt in unser Gebet, in unser Leben. Er ist mit uns im Advent und an seinem Geburtstag.

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