erfasst – verfolgt – vernichtet

Eine Begleitung zur Ausstellung im Centre Charlemagne

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Foto: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Begleitend zur Ausstellung: „erfasst, verfolgt, vernichtet“ vom 29.08.2015 bis 25.10.2015 im Centre Charlemagne in Aachen bietet die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) Filmabende im Regenbogen und begleitete Führungen durch die Ausstellung für Jugendliche an.

Der Eintritt ist frei.

  • Freitag, 11.09.2015 18:00 Uhr „Himmel und Mehr“
  • Donnerstag, 17.09.2015 18:00 Uhr „lebensunwert, unerwünscht“
  • Donnerstag, 17.09.2015 19:30 Uhr „Meine Schwester Irma – Ein Opfer der Kinder-Euthanasie“

Ausstellungsbesuch mit Vorbereitung über die Wege gegen das Vergessen und Ausklang bei kafarna:um

  • Mittwoch, 23.09.2015 18:00 -22:00 Uhr
  • Dienstag, 29.09.2015 18:00 -22:00 Uhr

Wir bitten um Rückmeldung an das Pfarrbüro oder an karlsgau {at} dpsg-aachen(.)de!

Herzliche Grüße
Stefan Rothhardt für die DPSG Aachen

 

Nachfolgend kurze Erläuterungen:

1. Himmel und Mehr – Dorothea Buck auf der Spur

Die Bildhauerin Dorothea Buck ist durch die Hölle gegangen. Aus eigener Kraft hat sie zurück in ein erfülltes Leben gefunden. „Himmel und mehr“ zeigt Weg und Werk einer außergewöhnlichen Frau. 1917 geboren gerät Dorothea Buck mit neunzehn Jahren in eine schwere psychische Krise. Die ärztliche Diagnose Schizophrenie stempelt sie im Dritten Reich als minderwertig ab, gemäß dem Erbgesundheitsgesetz wird sie 1936 zwangssterilisiert. Einige Jahre später entgeht sie nur knapp der „Euthanasie”. Bis 1959 erlebt sie insgesamt fünf psychotische Schübe und die jeweils neuesten Heilmethoden: Dauerbad, Insulinschocks, Elektroschocks, Psychopharmaka. Entgegen der ärztlichen Unheilbarkeitsprognose versucht Dorothea Buck zu verstehen, was sie in die Psychose getrieben hat und entwickelt eine eigene Theorie ihrer Erkrankung. So findet sie schließlich den Schlüssel zu ihrer endgültigen Heilung. Untrennbar damit verbunden ist ihre Entwicklung zu einer ausdrucksstarken und vielfach ausgezeichneten Bildhauerin. Eine geradezu unglaubliche Geschichte, beinahe ein Wunder, dass Dorothea Buck das alles erlebt und überlebt hat. Am meisten aber staunt man darüber, welche Kraft sie aus ihrem Schicksal gezogen hat – Kraft für ihren jahrzehntelangen, unerschrockenen und oft erfolgreichen Kampf für mehr Menschlichkeit in der Psychiatrie.

Die Regisseurin Alexandra Pohlmeier hat Dorothea Buck zwischen 2001 und 2008 regelmäßig in ihrer Hamburger Atelierwohnung besucht und auf ihren Reisen be-gleitet, um diese große Lebenserzählung festzuhalten. Ergänzt wird sie durch die Außenperspektive der jüngeren Schwester, die ein Schlaglicht auf die Rat- und Hilflosigkeit von Angehörigen psychisch Erkrankter wirft. Einen besonderen Stellen-wert bekommt das künstlerische Werk Dorothea Bucks: Akzentuiert eingeschnitten entfaltet sich ein beeindruckendes bildhauerisches Schaffen, das vor allem das zu beschwören scheint, was ihr in den so genannten Heilanstalten versagt geblieben ist: Menschliche Zuwendung und Wärme.

„Himmel und mehr” ist ein Film über eine mutige Frau – ein Film, der Mut macht.

Buch/Regie/Kamera/Schnitt/Produktion: Alexandra Pohlmeier 90 Min.

 

2. „lebensunwert, unerwünscht“

Der Film »lebensunwert, unerwünscht« stellt die rassenideologische Intention von Zwangs -sterilisation und »Euthanasie« dar. Die hoch traumatisierten Kinder der Ermordeten entgingen diesen nationalsozialistischen Verbrechen nur, weil sie zu jung waren oder in Kinderheimen und in Pflegeeinrichtungen bis zum Ende des »Dritten Reiches« überlebten. Guillaume Dreyfus befragte Mitglieder des »Bundes der ›Euthanasie‹-Geschädigten und Zwangssterilisierten« und hat mit seinem zeit-geschichtlichen Dokumentarfilm den Opfern eine Stimme gegeben.

Guillaume Dreyfus, Frankreich 2014, 60 Min.

 

3. Meine Schwester Irma – Ein Opfer der „Kinder-Euthanasie“

Antje Kosemund, 1928 geboren, wuchs in einer kinderreichen Familie im Arbeiter-stadtteil Barmbek auf. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester Irma wurde 1933 auf-grund eines psychiatrischen Gutachtens in die „Alsterdorfer Anstalten“ eingewiesen und 1943 nach Wien abtransportiert, wo sie im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms in der Kinderfachabteilung „Am Spiegelgrund“ der städti-schen Nervenklinik ermordet wurde. Antje Kosemunds Erinnerungen und Recher-chen zur Geschichte ihrer Schwester sind ein Zeugnis gegen das Vergessen, Ver-schweigen, Verdrängen und Ausgrenzen von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Ihr Engagement ist ein Plädoyer für die Achtung der Menschenwürde und den würdevollen Umgang mit denOpfern und Angehörigen. Beispielhaft an ihrer Schwester setzt sich Antje Kosemund seit vielen Jahren mit dem Thema „Euthanasie“ auseinander, mit einem Kapitel, das bis heute noch nicht abgeschlossen ist.

Eine Spurensuche mit Antje Kosemund

Jürgen Kinter, Hamburg 2014, 52 min.

 

Begleiteter Besuch der Ausstellung

Wir treffen uns jeweils um 18 Uhr vor der Barockfabrik, Löhergraben 22 in Aachen um gemeinsam über „Wege gegen das Vergessen“ zum Centre Carlemagne zu gelangen. Dort werden wir, mit Unterstützung durch das Team der Museumspädagogik des Centre Charlemagne, die Wanderausstellung besuchen (ca. 1 Stunde). Im Anschluss bieten wir Raum und Zeit zur Bearbeitung der Ausstellungseindrücke in gemütlichem jugendgerechten Ambiente bei kafarna:um im Hof 7 an. Das Ende ist für 22 Uhr geplant.

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