Gemeindereferentin Heike Hoberg lädt ein zum Dialog – nicht nur mit der Jugend

Dialog mit der Jugend
(Hanns Dieter Hüsch)

Wer einen Dialog
Herbeiführen will
Muss sich herablassen
Herabneigen
Von sich absehen
Sich zuwenden und zuneigen
Muss nicht besitzen wollen
Darf nicht besitzergreifend sein
Nur wenige Vorschriften machen
Besser keine
Gelegentlich vorsichtig Empfehlungen an-bieten
Unsichtbar die Hand darüber halten
Unhörbar anders denken
Sich nicht als Erwachsener aufspielen
Fehler nicht gleich als Schande empfinden
Irrtümer gestatten
Dennoch das Recht haben sich Sorgen
Machen zu dürfen
Kummer aufspüren und teilen
Sich wechselseitig erziehen
Sich gegenseitig ernst nehmen
Zusammen essen und trinken
Die Fantasie fördern
Ungeduld kreativieren
Aufbegehren durchhalten
Zusammen traurig sein
Nicht immer alles besser wissen
Am besten nichts besser wissen
Sondern trösten
Ratlosigkeit teilen
Wärme herstellen
Bindungen spüren lassen
Liebe

Wer einen Dialog mit der Jugend
Führen will
Muss all diese Anstrengungen
In besonderem Maße auf sich nehmen
Muss all diese Tugenden
Doppelt und dreifach handhaben
Mit der winzigen Hoffnung
Dass die Jugend mit der Jugend
Die unweigerlich nach ihr kommt
Ähnlich umgehen wird
Wer aber keinen Dialog mehr führen will
Und meint
Seine Generation wäre die einzige
Auf der Welt
Danach käme nichts mehr
Und davor wäre auch nichts gewesen
Dem ist anscheinend alle Würde des Men-schen
Abhandengekommen
In dem ist dann wohl kein langer Atem
Weder Furcht noch Fantasie
Der befiehlt nur noch
Verordnet kontrolliert
Erzieht drastisch
Kalt und ohne Religion
Unpolitisch und ohne Bindung

Dies ist schon bei vielen der Fall
Und kann uns allen geschehen
Den Alten und auch den Jungen
Wenn wir nicht mehr miteinander reden
Streiten Essen Pläne machen
Uns umarmen

Lebe-Wesen die wir sind
Wenn wir uns nichtmehr umarmen können
Und Frieden machen

(Aus: Hanns Dieter Hüsch, Das Schwere leicht gesagt, Herder Verlag)

Dieses Gedicht von Hanns Dieter Hüsch fiel mir zufällig in die Hände und hat mich erst einmal gefesselt. Es heißt „Dialog mit der Jugend“, doch ich finde es sollte nicht nur auf die Jugend eingegrenzt sein. Diese Anregungen betreffen für mich generell den Dialog, den Umgang miteinander.

Wie gehen wir miteinander um? Achten wir einander mit allen Stärken und Schwächen, oder lachen wir hinter dem Rücken der Schwächeren über sie? Spielen wir unsere Macht gegenseitig aus oder versuchen wir gemeinsam das, was schwach ist zu stärken, uns gegenseitig aufzubauen? Diese und viele weitere Fragen sind mir beim Betrachten des Gedichtes in den Sinn gekommen. Ich möchte mich einsetzen für einen gerechten und liebevollen Umgang miteinander, damit ein wahrer Dialog aller stattfinden kann.

Vielleicht sprechen Sie andere Aspekte des Gedichtes an, ich finde es ist auf jeden Fall lohnenswert, es zu lesen.

Heike Hoberg, Gemeindereferentin

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