Ein moderner Mensch

Foto: Norina F. / pixelio.de

Ein „moderner“ Mensch verirrte sich in der Wüste.
Die unbarmherzige Sonnenglut hatte ihn ausgedörrt.
Da sah er in einiger Entfernung eine Oase.
Aha, eine Fata Morgana, dachte er,
eine Luftspiegelung, die mich narrt.
Denn in Wirklichkeit ist da gar nichts.

Er näherte sich der Oase, aber sie verschwand nicht.
Er sah immer deutlicher die Dattelpalmen,
das Gras und vor allem die Quelle.
Natürlich eine Hungerfantasie, die mir mein
halb wahnsinniges Gehirn vorgaukelt, dachte er.
Jetzt höre ich sogar das Wasser sprudeln.
Eine Gehör-Halluzination. Wie grausam die Natur ist.

Kurze Zeit später fanden ihn zwei Beduinen – tot.
„Kannst du so etwas verstehen?“, sagte der eine
zum anderen, „die Datteln wachsen ihm beinahe in
den Mund. Und dicht neben der Quelle liegt er
verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?“
Da antwortete der andere:
“Er war ein moderner Mensch.“

(Kadidja Wedekind)

 

In diesem Februar begegnet er uns Christinnen und Christen wieder, der Wechsel von heiter zu ernst, von ausgelassen zu nachdenklich, vielleicht auch von ausschweifend zu enthaltsam – vom Karneval zur Fastenzeit.

Beide Seiten gehören zum Menschen dazu, auch, wenn der eine oder die andere sich eher nur einer Seite zuordnen würde. Jede Einseitigkeit und Engstirnigkeit verstellt den Blick für die gesamte Wirklichkeit menschlichen Lebens, lässt eine/n, wie diesen „modernen“ Menschen, vielleicht sogar zugrunde gehen.

Ihr Norbert Franzen

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