Geistreich im August

Foto: Angèle Kamp / Unsplash

Als ich vor einigen Jahren meinen Sommerurlaub in Oberbayern verbrachte, nahm ich an einer Kräuterwanderung teil und lernte auf diese Weise neue, mir noch nicht vertraute Kräuter und ihre heilende Wirkung kennen. Daneben wuchsen auf den Wiesen, an den Wegesrändern und Bachläufen natürlich auch wohlbekannte Heilpflanzen wie die Kamille, die Minze oder das Johanniskraut. Es war gut, noch einmal darauf aufmerksam gemacht zu werden, was die Natur zur Gesundung der Menschen bereithält.

Der folgende Sonntag war der 15. August, also der Tag, an dem das Fest Mariä Himmelfahrt gefeiert wird. Ich erlebte die Tradition der Kräuterbüschel, die zu diesem Fest von den Frauen des Dorfes gebunden worden waren und nun im Gottesdienst gesegnet wurden. Die gesegneten Sträuße, so wurde mir berichtet, werden dann daheim mit nach unten hängenden Blüten aufgehängt und getrocknet. Sie bilden den Grundstock für die Hausapotheke. Im Laufe der nächsten Augustwochen kommen noch weitere Kräuter dazu.

Wie kam es aber zu der Verbindung von heilenden Kräutern und dem Marienfest?
Eine Legende berichtet, dass drei Tage nach der Beerdigung Marias die Jünger ihr Grab noch einmal öffneten und statt des Leichnams blühende, wohlriechende Blumen vorfanden. Das erschien ihnen ein Zeichen dafür zu sein, dass Maria, die Mutter Jesu, mit Leib und Seele in den Himmel geholt worden war. Und das feiern wir am 15. August.
Das Segensgebet, das am Fest Mariä Himmelfahrt über die Kräuter gesprochen wird, lautet:

Herr, unser Gott,
du hast Maria über alle Geschöpfe erhoben und sie in den Himmel aufgenommen mit Seele und Leib. An deinem Hochfest danken wir dir für alle Wunder deiner Schöpfung. Durch die Heilkräuter und Blumen schenkst du uns Gesundheit und Freude. Segne diese Kräuter und Blumen. Sie erinnern uns an deine Herrlichkeit und an den Reichtum deines Lebens. Schenke uns auf die Fürsprache Mariens dein Heil.

Wir werden hier noch einmal an die Heilung erinnert, die wir durch Gott in der Vergangenheit erfahren haben und auch weiter erfahren werden. In den Segen eingeschlossen ist die Bitte um die Fürsprache der Gottesmutter. Sie machte in ihrem Leben zahlreiche Erfahrungen, die auch wir Menschen machen. Auch deshalb ist sie vielen Menschen nahe.

Gaby Faber-Jodocy beschreibt Maria genauso, wie ich sie sehe:

Mutter Mirjam

Nicht weltentrückt auf einem Podest
mit verklärtem Lächeln
bist du mir nahe
nein

aber
in deinem Erschrecken
wenn Gott in dein Leben tritt
in deiner Frage
wie es geschehen soll
in deiner Bestürzung, deiner Angst

und später
in deiner stummen, klagenden Trauer
um deinen toten Sohn

im hoffenden Glauben
gegen alle widrigen Umstände dieser Welt

im festen Vertrauen
auf den lebendigen Gott
der aufrichtet

bist du mir nahe

Ich wünsche uns in dieser schwierigen Zeit der Corona Pandemie das feste Vertrauen auf Gott, der aufrichtet und heilt, das auch Maria gehabt hat.

Margret Schäpers

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